
Rasmus hält sein neues Schlauchboot am Alsteranleger Jungfernstieg fest und fragt mich, noch bevor ich richtig angekommen bin, was ihn der fehlende Schein am Ende kosten würde. Sein alter SBF Binnen, meint er, habe für die Müritz gereicht, warum also nicht auch für ein bisschen Elbe hier in Hamburg. Ich höre das Wasser gegen die Anlegerpontons schlagen und weiß schon, welche Antwort ihm nicht gefallen wird: Wer von der Alster aus seewärts will, kommt am SBF See nicht vorbei – und die Grenze dazu verläuft mitten durch unser Revier.
Was viele Boots-Neulinge falsch einschätzen, ist die Elbe selbst. Geografisch bleibt sie ein Fluss, doch je nachdem, wo man sich gerade befindet, gilt rechtlich etwas ganz anderes. Der Sportbootführerschein Binnen deckt nur die Binnenschifffahrtsstraßen ab – und genau diese Fehleinschätzung führt jedes Jahr dazu, dass Freizeitskipper mit dem falschen Schein auf dem falschen Wasserabschnitt unterwegs sind.
Der Binnen-Schein reicht nicht, sobald die Elbe zur Seeschifffahrtsstraße wird
Seewärts der Linie Tatenberger Schleuse / Köhlbrandbrücke gilt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, und damit ändert sich die Rechtslage schlagartig. Sobald mehr als 11,03 kW – umgerechnet 15 PS – am Heck hängen, wird der SBF See zur Pflicht. Rasmus' Außenborder liegt mit seinen 20 PS klar über dieser Schwelle, sein Binnen-Schein hätte ihm also nichts genützt, sobald er den Hafen Richtung Innenstadt verlässt.

Auf dem Rhein gilt übrigens eine strengere Grenze von 3,68 kW, also gut 5 PS – wer dort ohne Papiere mit 15 PS unterwegs ist, riskiert weit mehr Ärger als in Hamburg. Die großzügigere Hamburger Regel täuscht aber leicht darüber hinweg, wie schnell moderne Boote diese Schwelle reißen: Eine Sechs-Meter-Yacht oder ein solides Kajütboot braucht gegen die Elbströmung bei ablaufendem Wasser fast immer mehr als 15 PS, um sich sauber manövrieren zu lassen. Selbst wer von Lauenburg kommt und nur Richtung Nordsee will, passiert genau dieselbe Grenze und braucht plötzlich den See-Schein.
Die inhaltlichen Unterschiede zwischen SBF See und SBF Binnen
Der SBF See dreht sich um Navigation – Gezeitenrechnung, Kursbestimmung, die Lichterführung nach den Kollisionsverhütungsregeln. Den Fragenkatalog zu den Grundlagen habe ich an einem verregneten Sonntagnachmittag am Küchentisch durchgearbeitet, und wer einmal das Prinzip hinter den Kartenaufgaben verstanden hat, tut sich bei den restlichen der etwa 15 Aufgaben deutlich leichter.
Beim SBF Binnen stehen dafür Schleusensignale, Vorfahrtsregeln in engen Kanälen und die Sichtzeichen der Binnenschifffahrt im Vordergrund – Wissen, das jeder braucht, der auf der Müritz bei Waren, dem Steinhuder Meer oder der Dove-Elbe unterwegs sein will. Die Basisfragen zu Umwelt, Technik und Sicherheit sind in beiden Prüfungen praktisch identisch, was den doppelten Lernaufwand deutlich kleiner macht, als die meisten erwarten.
SBF-Fragen.de zum Beispiel wirkt in der Bedienung spürbar veraltet, und die Ladezeiten bei den Navigationsaufgaben sind eher ein Geduldstest als ein Lernerlebnis. Ein Kollege aus meiner Runde hatte vorher versucht, sich die Seezeichen allein über eine YouTube-Serie beizubringen – viele Videos, aber kein Bezug zum tatsächlichen Prüfungsschema, sodass er am Ende doch auf eine strukturierte Plattform umsteigen musste. Wer ohnehin mobil in der S-Bahn lernen will, sollte sich die Usability einer Lernplattform also vorher genau ansehen, statt sich auf Werbeversprechen zu verlassen.
Die Kombiprüfung: Zeit- und Kostenvorteil auf einen Blick
Am günstigsten kommt weg, wer beide Prüfungen zusammenlegt, weil die praktische Prüfung für den SBF See vollständig für den SBF Binnen anerkannt wird – ein Boot, eine Fahrt, ein Satz Manöver wie Anlegen, Wenden auf engem Raum oder das Rettungsmanöver samt Knoten wie Palstek und Webeleinstich, egal ob die Bootsschule in Hamburg, Glücksburg oder Heiligenhafen sitzt. Die Prüfungsgebühr für den SBF See liegt bei etwa 147 Euro, der Binnen-Teil kommt für rund 45 Euro extra dazu, macht zusammen etwa 192 Euro – wer die Scheine getrennt macht, zahlt durch doppelte Verwaltungspauschalen und eine zweite praktische Prüfung spürbar mehr.
Wer zuerst den SBF See angeht, hat es beim Binnen-Teil danach leichter, weil die Navigation komplett wegfällt und nur noch rund 60 bis 80 Zusatzfragen zu den Binnenregeln übrig bleiben. Bei mir im Dachgeschoss-Arbeitszimmer in Ottensen steht inzwischen ein ganzes Regal mit Kursordnern aus einem guten Dutzend Online-Testläufen, und wenn ich für jemanden aus meiner Runde die Fragenkataloge nebeneinanderlege, sieht man die Überschneidung sofort. Neutrale Orientierung dazu bieten auch Verbände wie der DSV oder der SVB, falls Detailfragen zur Anerkennung offenbleiben.

Typische Stolperfallen auf dem Weg zur Prüfung
Nicht jede Vorbereitung läuft so glatt, wie die Kostenrechnung es vermuten lässt. Einer aus meiner Runde hatte seine Lern-App fürs Pendeln zwischen zwei S-Bahn-Stationen eingerichtet, weil dort ohnehin kein Netz war – bis sich herausstellte, dass der Offline-Modus die Fortschritte gar nicht richtig speicherte und ein ganzer Lernabend beim nächsten Login einfach weg war. Seitdem rate ich jedem, den Offline-Modus einer Plattform vor dem Kauf tatsächlich einmal ohne Internet zu testen, statt der Produktbeschreibung blind zu vertrauen.
Eine andere Geschichte betrifft die Kartenaufgabe selbst: Ein Kollege, der die Reihenfolge umgedreht und zuerst Binnen gemacht hatte, kam bei der Gezeitenrechnung im See-Teil ins Schwimmen und kreiste beim Nachrechnen mit dem Bleistift immer wieder dieselbe falsche Antwort auf dem Papierbogen ein, bis die Zeit im Prüfungsraum um war. Er musste den Navigationsteil ein zweites Mal antreten – ein Beleg dafür, dass die Reihenfolge See-vor-Binnen keine reine Geschmacksfrage ist.
Noch ärgerlicher traf es jemanden, der sein ärztliches Zeugnis für den Sportbootführerschein lange im Voraus hatte ausstellen lassen, weil er dachte, früher sei sicherer. Am Prüfungstag stellte die Prüfungskommission fest, dass die Bescheinigung inzwischen als abgelaufen galt, und er durfte an diesem Termin gar nicht erst antreten. Seitdem empfehle ich, den Arzttermin bewusst kurz vor das gebuchte Prüfungsdatum zu legen und nicht Monate im Voraus.
Auch die Möglichkeit, SBF See Binnen Praxisstunden buchen zu können, ersetzt keine Pufferzeit im Kalender: Bei einem Kollegen fiel der komplette Praxistermin bei der Bootsschule kurzfristig aus, weil der Fahrlehrer krank wurde, und weil kein Ausweichtermin eingeplant war, verschob sich sein gesamter restlicher Ablauf spürbar. Seitdem buche ich für jeden aus meiner Runde von Anfang an einen zweiten, etwas späteren Praxistermin als Rückfalloption mit ein.
Wer beide Scheine sofort macht, spart doppelt
Als ich neulich an Albrecht Wenniger vorbeikam und seine Prüfungsbestätigung achtlos neben der Tastatur liegen sah, wurde mir noch einmal klar, wie sehr sich die zusätzlichen Lernabende gelohnt hatten. Albrecht wollte mit seiner Familie auf einen Kroatien-Charter, und wer im Ausland chartert, merkt schnell, dass die Gültigkeit der Scheine je nach Land unterschiedlich gehandhabt wird – ein Thema für sich, das hier nur am Rande zählt. Er lernte am liebsten in kurzen Zwanzig-Minuten-Blöcken zwischen zwei Meetings, und genau diese Kombination aus SBF See und SBF Binnen ließ sich in solche Lücken packen, ohne dass er dafür seinen Kalender umbauen musste.
Rasmus hat inzwischen nachgerechnet und beide Kurse zusammen gebucht, weil ihm klar wurde, dass der Preis pro gewonnener Freiheit beim Kombi-Weg schlicht besser ausfällt als bei zwei getrennten Anläufen. Wer regelmäßig mit mehr als 15 PS unterwegs ist oder auch nur gelegentlich seewärts der Köhlbrandbrücke will, sollte sich diese Rechnung nicht erst nach einer Kontrolle durch die Wasserschutzpolizei aufmachen, sondern gleich zu Beginn der Vorbereitung. Zwischen Alster und Elbe gewinnt, wer einmal richtig plant statt zweimal halb.